Von Rainer Ohlheiser
Epfenbach
„Es ist eine Veranstaltung, die in die Geschichte eingehen wird“ stellte der Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege Epfenbach Thomas Ambiel am Ende des Mundartabends fest. In den knapp vier Stunden zuvor hatte der Verein zusammen mit dem Heimatverein Kraichgau und der Organisation „Unsere Sprachheimat“ ein glänzendes Programm auf die Bühne gebracht, welches sprichwörtlich kein Auge trocken ließ.
Thomas Ambiel, Susanne Kaiser-Asoronye vom Heimatverein Kraichgau und Epfenbachs Bürgermeister Pascal Wasow begrüßten die Gäste. Es zeigte sich in der vollbesetzten Sport- und Kulturhalle in allen Beiträgen, dass der Dialekt eine Identität gibt und auf keinen Fall verloren gehen darf.
Los ging es mit dem Kurzpfälzer Rocker Bernhard Lorenz. Der in Heidelberg geborene und aufgewachsene Sänger und Songwriter wohnt inzwischen in Neckarbischofsheim. Er ist schon seit seinem 13. Lebensjahr mit seiner Gitarre verwachsen und singt im Kurzpfälzer Dialekt. „Wegen drei Gramm Hasch“ und „Hey Boss, gib mir frei heit“, wo er auf das schöne Wetter einging und sich auf eine Etappe des Neckarsteiges machen wollte, waren seine ersten beiden Titel.
Er wurde von Moderator Thomas Liebscher auf die Bühne gebeten, der komplett in Mundart durch das Programm führte. Dieser hat Gedichtbände voll Witz und Satire in seinem Dialekt aus dem Raum „Brusl“ verfasst und Anthologien zur Mundart herausgebracht.
Aus dem Nachbarort Eschelbronn gaben die Sellemols Theaterleit ein Stelldichein. Der Verein wurde im Jahr 1989 von Marlies Echner-Klingmann gegründet. Die Vortragenden hatten insgesamt sechs Beiträge mitgebracht.
Bastian Ziesak beschrieb den Kraichgauer in seinem Gedicht als gemütlichen Menschen, der seinen Garten pflegt und keine Unordnung um das Haus leiden kann. Auch die Kraichgauerin könne schwierige Sachen und sogar Dampfnudeln machen.
„Die Hochzich“ war eine Kurzgeschichte, welche Christa Frech und Siegbert Leister alias Hildegard und Adem präsentierten. Hildegard konnte wegen einer Migräne nicht mit zur Hochzeit und fragte ihren Mann penetrant darüber aus. Am Schluss stellte sich heraus, dass er auf der falschen Hochzeit war und trotz seines „Remetis“ das Tanzbein schwingen ließ.
„Riech, guck, horch“ hieß das von Harald Guschl vorgetragene Gedicht über das gerade begonnene Frühjahr.
Christel Frei und Christel Ziesak spielten zwei Kirchgängerinnen, welche vom Gottesdienst nur wenig mitbekamen, sondern sich lieber über ihre Sitznachbarin und sonstige Besucher ausließen.
Bastian Ziesak und Harald Guschl sorgten für Schmunzeln mit dem Gedicht „Vor lauter Basse“ über die verschiedenen Jahreszeiten, die man herbeisehnt.
Schließlich gab es bei Hildegard und Adem pünktlich um 12.00 Uhr wie jeden Freitag Kartoffeln und weiße Käs. Davon war Adem nicht so sehr angetan, meinte aber dann „Her uff zu blerrer, ich ess es schun“.
Thomas Liebscher stellte das Buch „Kraichgauwortschatz“ von Marlies Echner-Klingmann vor, welches noch einmal neu aufgelegt wurde und reißenden Absatz findet. Es beinhaltet u.a. tolle historische Fotografien aus dem Kraichgau von Waldwimmersbach bis Kürnbach und von Eichtersheim bis Bad Rappenau.
Vor der Pause kam dann noch einmal so richtig Stimmung auf. Schuld daran war Heiko Maier aus „Woghaisl-Wissedal. Er hat die meiste Zeit gute Laune, ein loses Mundwerk und immer seine Gitarre dabei. Mit authentischem badischen Dialekt, erfrischenden Texten aus dem Alltag und handgemachter Musik wirbelte er über die Bühne. So sang er u.a. „Die Mundart isch wunnerschee“, präsentierte mit „Jetzt hab´ ich´s gschafft“ komische Vorkommnisse in der Küche oder bei handwerklichen Tätigkeiten. Pointiert war auch der Song vom Friseur und „Wer nix werd, werd Wert“. Bereits im Alter von acht Jahren stand Maier in der Bütt. Er trat dann bei runden Geburtstagen auf und sein Durchbruch kam im Jahr 2001. Hier ist er in einer Gastwirtschaft mit einem viereinhalbstündigen Programm aufgetreten und füllte diese an insgesamt vier Abenden. Zu sehen ist er u.a. wieder bei der Open-Air-Veranstaltung des Heimatvereins Ubstadt am 18. Juli.
Zwei einheimische Akteure betraten dann nach der Pause die Bühne. Zunächst präsentierte Hannelore Förster gekonnt ein Gedicht von Martha Ambiel über einen Dorfbrunnen. „In de Fröschau, vor eme Haus, steht en alde Brunne, sei Waser läfft dagei, dagaus, weit iwer e Johrhunnert“ wusste sie zu berichten. Früher habe das Wasser geschleift werden müssen, während es heute bequem ins Auto eingeladen wird.
Ebenfalls von Martha Ambiel stammt das Gedicht „D´Eiseboh“, welches Daniel Ambiel pointiert vortrug. Hier ging es darum, dass sich die Epfenbacher Bevölkerung damals mehrheitlich dagegen ausgesprochen hat, dass eine Bahnlinie durch den Ort gelegt wird. „Glick hot, wer jetzt in Neidestoi wuhnt, grad Epflbach liggt hinnerm Muund“ führte er aus. Eine alte Mutter wollte auf keinen Fall mit dem Zug von Neidenstein nach Neckarbischofsheim fahren und wäre „liewer gloffe“. Doch ihr Sohn überzeugte sie und sie traf im Abteil eine Freundin aus Helmstadt, die sie länger nicht gesehen hatte. In „Bischesse“ angekommen sagte der Sohn: „Mer messe naus, Modder steh uf, mer steige jetzt aus.“ „Bawett ade“ kann sie nur noch sare „jetzt wäri sou gern weitergfahre.“
Sabine Essinger verkörpert schwäbisch-badisches Typenkabarett. Sie ist eine Frau mit vielen Gesichtern – vom altklugen Baby bis hin zur bissigen Oma – alles, was einem in der schwäbischen Frauenwelt so begegnet. Sie beherrscht dabei alle Arten des Humors: feinsinnigen, schwarzen und kalauernden. Sie stellte die einzelnen Personen der Familie Fleischle aus Metzelingen dar und gab immer wieder zum Besten, dass sie eine sparsame Schwäbin ist.
Bernhard Lorenz gehörte dann noch einmal die Aufmerksamkeit. Er hatte noch vier Lieder im Gepäck. Hier war u.a. „Die lässt die Soß weg“ im Repertoire. Hier beschrieb er, dass es in manchen Gastwirtschaften zum Schnitzel keine Soße gäbe, was in unseren Breiten nicht gehen würde. Auch hier brandete wie bei allen Darbietungen noch einmal der Dank des Publikums in Form von großem Applaus auf.
Hinter den Kulissen hatten die Landfrauen die Gäste mit Vesperbroten versorgt und Jan Willfahrt war in der Regie für den richtigen Ton verantwortlich.