Neujahrsempfang 2026 | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Gemeinde befindet sich mitten im Prozess

Neujahrsempfang 2026

Unpopuläre Entscheidungen waren unabdingbar – Finanzielle Lage verschärft die Situation

Epfenbach (oh)

Bei seiner Ansprache beim Neujahrsempfang blickte Bürgermeister Pascal Wasow auf kein einfaches Jahr für Epfenbach zurück. „Es war kein Jahr der großen Versprechen, sondern eines der nüchternen Entscheidungen, kein Jahr der Wunschzettel, sondern eines der Prioritäten“ meinte das Ortsoberhaupt.
Als Grund hierfür nannte er die finanzielle Lage, welche die Situation der Kommunen bundesweit spürbar verschärft habe. Der Haushalt weise ein Defizit von rund 1,3 Millionen Euro aus. „Das ist keine theoretische Größe, sondern eine ganz konkrete Einschränkung unseres Handlungsspielraums. Jede Ausgabe musste begründet, jede Entscheidung abgewogen werden“ blickte er zurück. Unpopuläre Entscheidungen seien zu treffen gewesen. Nach mehr als 13 Jahren habe die Grundsteuer erhöht werden müssen. Bei der Gewerbesteuer sei bewusst Maß gehalten worden. Auch die Gebühren hätten angepasst werden müssen, bei Hallen, Räumen, Wasser- und Abwasser und Betreuungsangeboten. Gleichzeitig sei es aber im Gemeinderat besonders wichtig gewesen: Sparen dürfe nicht blind sein. „Eine Gemeinde lebt nicht nur von einem ausgeglichenen Haushalt, sondern von funktionierender Infrastruktur, Sicherheit und Verlässlichkeit. Deshalb haben wir 2025 sehr bewusst entschieden, wo wir sparen können – und wo wir es nicht dürfen.“ Die Beleuchtung in der Halle sei vollständig modernisiert und auf LED-Technik umgestellt worden. Investiert habe man auch in Wasserleitungen, Straßenbeleuchtung, gemeindeeigene Gebäude und technische Anlagen. Erfreulich sei die Auszeichnung als Gigabit-Kommune gewesen mit über 90 Prozent Glasfaserabdeckung. Auch die DorfApp mit einer Reichweite von über 1.500 Geräten habe sich als voller Erfolg herausgestellt. „Es zeigt, dass sich die Kommunikationsarten von Kommunen den neuen Medien nicht verschließen dürfen.“
Die Gemeinde trage den Ausbau der Windkraft mit, wobei sich der Gemeinderat bewusst gegen eine pauschale Öffnung der Freiflächen-Photovoltaik ausgesprochen habe.
Ein zentrales Anliegen war dem Bürgermeister die Einwohnerversammlung mit über 100 Teilnehmern, wobei die Verbindung mit dem Fußverkehrs-Check des Landes besonders positiv gewesen sei.
Das Jugendforum habe klar gezeigt, dass die Jugendlichen mitreden wollen. „Das war kein Symboltermin, sondern ein Arbeitsauftrag.“

Dann richtete Wasow den Blick nach vorne und meinte, dass auch das Jahr 2026 wieder ein Jahr klarer Prioritäten werde. Die begonnenen Konsolidierungsmaßnahmen für den Gemeindehaushalt sollten konsequent fortgesetzt werden. Es gehe dabei nicht um kurzfristige Einschnitte, sondern um einen strukturierten Prozess. Ziel sei es, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu sichern, ohne ihre Substanz zu gefährden. Trotz der angespannten Lage stünden mehrere große Investitionen an. Das neue Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 10 koste 682.000 Euro, die Dachsanierung der Halle einen Eigenanteil von rund 400.000 Euro. Die Sanierung des katholischen Kindergartens werde weiter voranschreiten. Investiert werden müsse auch in das Schulgebäude, die Wasserversorgung und die Straßen. Die weiteren Planungen zur Sanierung der Ortsdurchfahrt in enger Abstimmung mit dem Land würden vorangetrieben. Ein wichtiger Schritt zur Stärkung des Zusammenhalts und der Begegnung sei die Aufnahme der Arbeit der neuen Nachbarschaftshilfe, die aus dem ökumenischen Krankenpflegeverband hervorgehen soll.
Am Ende hob Wasow hervor, was Epfenbach im Innersten zusammenhalte – das Ehrenamt. „Eine Gemeinde funktioniert nicht allein durch die Verwaltung, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen – oft im Hintergrund, oft neben Beruf und Familie, oft ganz selbstverständlich. Ein besonders sichtbares Beispiel dafür ist unsere Kerwe, die seit 2023 einen spürbaren neuen Aufschwung erlebt.“ Unverzichtbar seien auch die Freiwillige Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz. „Unsere Vereine sorgen dafür, dass Epfenbach mehr ist als ein Wohnort. Der Heimatverein, der im vergangenen Jahr sei 50-jähriges Jubiläum feierte, steht dabei stellvertretend für viele, die Tradition, Geschichte und Zusammenhalt lebendig halten.“ Auch der Gemeinderat gehöre ausdrücklich in diese Reihe. „Die Arbeit im Gemeinderat ist ein Ehrenamt, das Zeit, Engagement und oft auch Geduld erfordert.
Entscheidungen sind nicht immer einfach, nicht immer beliebt und selten frei von Konflikten.“
Wasow fasste am Ende seiner Ausführungen nochmals zusammen, dass man sich mitten im Prozess befinde. „Ich bin dankbar und stolz, dass ich diesen Weg gemeinsam mit ihnen allen gehen kann. Wir sind noch lange nicht am Ende angekommen, wir laufen gerade los.“

Die musikalische Umrahmung der Feierstunde nahm der Musikverein unter der Leitung von Eric Grunwald vor, der am 25. April mit einem Kirchenkonzert sein 75-jähriges Jubiläum feiern wird. Pfarrerin Ulrike Walter von der evangelischen Kirchengemeinde hatte eine Geschichte über zwei Mönche, die Gott suchen und ihn am Ende zuhause finden, mitgebracht.

Im Anschluss öffnete sich der Vorhang und kleine Häppchen und ein Umtrunk standen bereit.
Bei netten Gesprächen stand man noch einige Zeit beieinander und ließ die Veranstaltung gemütlich ausklingen.